Szenisches Oratorium für Chor, 5 Solisten, Orgel, Klavier, Cello, Violine, Harfe und Schlagwerk von Georg Jann (geboren 1901 gestorben 1952)
Uraufführung in der Neuen Kirche Zehlendorfer Damm 211 in 14532 Kleinmachnow
27. November 2021 um 17:30
Unter der Leitung von Kirchenmusikdirektor Karsten Seibt
Slideshow: Ingeborg Jann

Zum Inhalt: eine junge Frau ist erstochen worden von ihrem Freund-dem Fremden, dem Musikanten. Klar, sagen die Leute: Er wollte sie loswerden- sie war wohl schwanger? In Wahrheit gab es einen Streit -die junge Frau will schlichten -da trifft sie das Messer des Freundes, das ihr nicht galt. In Panik flieht der Freund und führt seitdem ein Leben in der Illegalität. 7 Jahre sind vergangen. Der Freund, schwer erkrankt, muss sterben. In Fieberträumen sieht er die geliebte, tote Frau, wie sie aus einem Himmel sich losreißt zur Erde, aber keine Chance hat, ihren Vater aus seiner unendlichen Trauer zu befreien.. Keine Möglichkeit findet, der Freundin über das damalige Geschehen die Augen zu öffnen (2. Bild)… Doch schließlich ihn selbst mit sich comma seinem Schicksal, versöhnen kann.

Georg Jann studierte Orgel und Komposition am Sternschen Konservatorium, der heutigen Universität der Künste. Seit 1930 war Jann Lehrer, Organist und Chorleiter in Rehfelde bei Rüdersdorf. Als der Pfarrer des Ortes im Frühjahr 1935 kurz vor Verlesung einer regimekritischen Kanzelabkündigung in Sicherheitshaft genommen wurde, übernahm er selbst am folgenden Sonntag das Verlesen der verbotenen Verlautbarung, wurde verhaftet und nach vielerlei Verhören nach Ruhlsdorf strafversetzt. Ständige Schwierigkeiten mit dem dortigen nationalsozialistischen Bürgermeister veranlassten ihn, 1937 nach Kleinmachnow zu wechseln. Dort wurde er Lehrer an der Eigenherdschule und Kantor und Organist der Dorfkirche. Die regelmäßigen musikalischen Veranstaltungen in der Dorfkirche und in seiner Dienstwohnung, Zehlendorfer Damm 212, wurden zu Orten der Begegnung und letzte Rückzugsmöglichkeiten auch für Bewohner des Judensammelhauses auf der Drift 12.

Durch Vermittlung eines Konzertbesuchers verhalf die Familie Jann einem Verfolgten zur Flucht über den nahen Teltowkanal, indem sie ihm ihr Boot zur Verfügung stellte. Nach dem Krieg unterrichtete Georg Jann die Oberstufe der Weinbergschule, ab 1947 war er zusätzlich als Dozent für Musikerziehung in der Ausbildung von Neulehrern tätig. Am Jahresende 1948 musste Georg Jahn wegen seiner schweren Multiple Sklerose – Erkrankung sein Organistenamt aufgeben. Am 31. Januar 1952 setzte Georg Jahn seinem unerträglich gewordenen Leben ein Ende.
Das als musikalisches Vermächtnis in den letzten Lebensjahren von Georg Jann entstandene Oratorium Angela ist bisher noch nie aufgeführt worden. Im Auftrag des Förderkreises „Kirchenmusik in Kleinmachnow“ ist die handschriftliche Partitur transkribiert worden. Kantor Seibt hat die ursprüngliche Fassung für großes Sinfonieorchester auf ein kammermusikalisches Instrumentalensemble reduziert.

Ingeborg Jann ist die jüngste Tochter von Georg Jahn. Seit Mitte der 70er Jahre beschäftigt sich die studierte Typografin und Grafikerin mit dem Thema Fotografie. Dabei entwickelte sie eine aufwändige Montagetechnik, in welcher Mehrfachbelichtungen zu imaginären und vielschichtigen Bildkompositionen verschmelzen.